Die Wochen auf
See und die Tage voller Hektik in Port Sudan haben mich nachdenklich gemacht:
Wir reisen hier durch eine völlig neue, völlig fremde Welt. Wir sind zwar erst
einige Wochen unterwegs, doch bereits so weit weg von Europa und seiner
Zivilisation. Ich liebe zwar das Neue, das Aufregende und freue mich unbändig
auf dieses Abenteuer, doch umfasst mich immer wieder ein Gefühl von
Bedrücktheit, das mich manchmal stundenlang nicht wieder loslässt. Ich möchte
Brovie nicht davon erzählen, er wird es nicht verstehen, oder schlimmer noch,
mich auslachen. Er hat gut lachen;
er kennt die Wildnis und Afrika, er kann mit dem Gewehr umgehen und mit den Menschen.
Ich dagegen werde das Gefühl nicht los, dass wir ins Unglück fahren. Wir wissen
nicht, was uns erwartet! In Ägypten konnten wir gerade einen kurzen Blick auf
eine Nation werfen, die zu einem neuen nationalen Selbstbewusstsein findet. Wie
sieht es in Kenia aus? Und wie in Uganda? Alle Nachrichten, die uns erreichen
sind Wochen- wenn nicht sogar Monate alt! Im letzten Jahr gab es in Nairobi Aufstände,
die glücklicherweise von den Briten eingedämmt werden konnten. Die britische
Botschaft hat uns vor unserer Abreise auch noch einmal versichert, dass die
Situation sich wieder beruhigt hat. Hoffen wir, dass die Schwarzen sich
weiterhin friedlich verhalten und einfach dankbar sind für alles, was die
Briten Ihnen geben und für sie leisten.
Wenn dann die dunklen Wolken in meinem Kopf weiterziehen, geniesse ich das
überwältigende Panorama; das Flimmern der Sonne auf dem Golf von Aden, den sanften,
warmen Wind in meinen Haaren. Meine freie Zeit nutze ich dazu, alles zu lernen,
was es über die Tierwelt Ostafrikas zu wissen gibt. Sobald wir in Kenia
ankommen, werde ich verantwortlich sein für die Katalogisierung aller Felle und
Trophäen. Sie sollen ordnungsgemäss verpackt und beschriftet an das
Naturhistorische Museum Bern verschifft werden können. Brovie und auch Georg Ruprecht, den Tierpräparator
des Museums, möchte ich nicht enttäuschen. Und so brüte ich weiter über Phacochoerus
aethiopicus und Gazella granti, über Crocuta Crocuta und Panthera Leo und
hoffe, sie schon bald aus der Nähe zu sehen. Ich bin ich der Überzeugung, dass
ich mich mit jedem Tier der Wildnis auf freundschaftlichen Fuss stellen kann,
wenn man mich nur lässt.
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In Blaue Fernen - Afrikanische Jagdabenteuer 1923 - 1924 in Kooperation mit dem Stadttheater Bern & Bern:Ballett und dem Naturhistorischen Museum Bern.
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Freitag, 10. Februar 2012
Dienstag, 31. Januar 2012
Suez Kanal - zwischen den Welten
Der Blick schweift über endlosen Sand und steinige, im
Sonnenglast flimmernde Hügel - ein Vorgeschmack auf die Wüste. Noch wissen wir
nicht was uns erwartet. Ein grosses Abenteuer, wenn es nach mir geht. Port Said
liegt bereits hinter uns, vor uns bald das Rote Meer, der Golf von Aden und
dann der Indische Ozean! Einen Monat und einen halben wird unser tapferes
Schiff, die „Modasa“ noch weiterstampfen müssen, bis wir endlich an unserem
Zielhafen angelangt sind, Kilindini-Harbour, dem Hafen von Mombasa, Kenia. Wir
haben alles geplant: erst zieht es uns nach Nairobi, um Träger anzuheuern und
Gewehrläufer für unsere Expedition. Dann soll es schnell weitergehen zum
vorzüglichen Jagdgebiet Uaso Nyiro. Wir
haben sieben Jahre auf diese Expedition gespart. Mit allem Ersparten können wir
wohl zwei Jahre unterwegs sein. Und diese Zeit werden wir auch brauchen. Denn das
Naturhistorische Museum Bern erwartet viel von uns. Der neue Kurator hat
sich bereit erklärt, die Kosten für Transport und Verpackung aller Tiere zu
übernehmen. Dafür schenken wir dem Museum alle erbeuteten Tiere. Wir wollen
Büffel jagen und Leoparden, Zebras, Impalas und Antilopen und vor allem Löwen,
denn Löwen sind Brovies Leidenschaft. Brovie ist mein Vater, Bernhard Perceval
von Wattenwyl. Er hat bereits zwei Jahre in Zentralafrika verbracht und das
Land, seine Jagdweisen und Reisemöglichkeiten gründlich kennengelernt. Er ist
mein Brovie, ich sein Murray. Abends, wenn er sich seine Zigarette anzündet
kommt jeweils sein Übliches: „Gib Feuer, Murray, mein Sohn“, worauf ich antworte „Jawohl,
hoher Herr“ und wir lachen und sind glücklich.
So lange habe ich auf den Beginn dieser Reise gewartet; ich kann es kaum glauben, dass wir endlich auf dem Weg sind. Dank dem Stadttheater Bern könnt Ihr mich begleiten durch Raum und Zeit. Folgt mir auf diesem Blog und via Twitter, erlebt mit mir meine Abenteuer live und hautnah. Wann immer ich schreiben kann, werde ich schreiben und erzählen und fotografieren. Ja, auch meine alte Kamera ist dabei und ab und zu, wenn es die Bandbreite erlaubt schicke ich Euch ein Foto.
Auf bald!
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